Zum Inhalt

Sind Genossenschaften zielführend? VNR Lab beim HLPF 2025 in New York

Im Rahmen der 2025 Hochrangiges politisches Forum (HLPF) und die Feierlichkeiten des Internationales Jahr der Genossenschaften der UNO (IYC2025), hat das Internationale Genossenschaftsallianz (ICA), in Zusammenarbeit mit dem UN-Komitee zur Förderung und Weiterentwicklung von Genossenschaften (COPAC) veranstaltete am 15. Juli 2025 im UN-Hauptquartier in New York ein Voluntary National Review (VNR) Lab. Die Sitzung mit dem Titel „Sind Genossenschaften zielführend? IYC2025 und der Weg nach Doha“, brachte Mitgliedstaaten, UN-Agenturen, Genossenschaftsführer und Entwicklungsakteure zusammen, um die Rolle von Genossenschaften bei der Förderung der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) und ihr Engagement in nationalen Entwicklungs- und VNR-Prozessen zu untersuchen.

Das VNR Lab diente als strategischer Raum, um zu diskutieren, wie das Genossenschaftsmodell zu den SDGs beiträgt, insbesondere im Kontext nationaler Berichterstattungs- und Folgeprozesse. Ziel war es auch, Impulse für den zweiten Weltsozialgipfel (WSS) zu setzen, der im November 2025 in Doha, Katar, stattfinden wird. Dort wird die Genossenschaftsbewegung einen globalen Verpflichtungsplan zur Unterstützung der SDGs auf der Zielgeraden bis 2030 vorlegen.

Eröffnung und Gestaltung des Dialogs

Andrew Allimadi, Vorsitzender des COPAC und Vertreter der UN-Hauptabteilung für wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten (UNDESA), eröffnete die Sitzung und betonte, wie aktuell die Veranstaltung im Hinblick auf das IYC2025 und die bevorstehende WSS sei. Er forderte die Teilnehmer auf, Genossenschaften nicht nur als Beitrag zur Entwicklung anzuerkennen, sondern auch als wichtige Partner bei der Gestaltung und Umsetzung der nationalen SDG-Agenda.

Die Grundsatzrede hielt Frau Ulziibayar Vangansuren, stellvertretende Ständige Vertreterin der Mongolei bei den Vereinten Nationen. Die Mongolei, eine der stärksten Befürworterinnen von Genossenschaften innerhalb der UN, bekräftigte ihr langjähriges Engagement für die Entwicklung von Genossenschaften auf nationaler und globaler Ebene. Botschafterin Vangansuren stellte die Erfahrungen der Mongolei mit Initiativen wie dem Programm „Neue Genossenschaft – Wohlhabende Hirten“ zur Unterstützung ländlicher Lebensgrundlagen vor und betonte die Notwendigkeit, förderliche rechtliche und politische Rahmenbedingungen für Genossenschaften zu schaffen. Sie bekräftigte die Unterstützung der Mongolei für die Aufnahme von Genossenschaften in die Politische Erklärung des Weltsozialgipfels und rief andere Mitgliedstaaten dazu auf, dieses Engagement zu unterstützen.

Politischer Dialog: Nationale Erfahrungen mit VNRs

Die Veranstaltung, die von Joseph Njuguna, Policy Director des ICA, moderiert wurde, beinhaltete einen spannenden politischen Dialog mit den Mitgliedstaaten, die ihre Erfahrungen bei der Integration von Genossenschaften in ihre VNRs teilten: 

  • Japan (vertreten durch Frau Mariko Komatsu): Japans VNR 2025 enthielt mehr als 60 Verweise auf Genossenschaften und verdeutlichte damit deren Integration in acht SDGs (Ziele 1, 3, 5, 8, 11, 12, 13 und 17). Frau Komatsu hob den VNR-Konsultationsprozess und die Einbindung verschiedener Interessengruppen, darunter auch Genossenschaftsvertreter, in den Prozess hervor. Der Bericht hebt außerdem Initiativen wie von Konsumgenossenschaften betriebene Gesundheitsüberwachungssysteme für die Gemeinden, Partnerschaften mit über 1,300 Gemeinden und eine starke rechtliche Unterstützung der Genossenschaftsentwicklung hervor. Japans umfassender Ansatz erweist sich als Best-Practice-Modell für andere Länder.
  • Chile (Herr Andrés Diaz, Ständige Vertretung Chiles bei den Vereinten Nationen): Er hob die Rolle der Genossenschaften für inklusives Wachstum und die Bedeutung von Partnerschaften zwischen Regierung und Genossenschaften bei der nationalen Planung und der Umsetzung des SDG 17 hervor.
  • Guatemala (Herr Helmer Herrera, INACOP): Er berichtete, wie Genossenschaften im Rahmen von Konsultationen mit mehreren Interessengruppen in die SDGs 5 und 17 eingebunden wurden. Betonte die Gleichstellung der Geschlechter und Partnerschaften als zentrale Ergebnisse.
  • Lesotho (Herr Notsi Mokheseng, Genossenschaftskommissar): Hebt hervor, wie Genossenschaften mit allen in Lesotho geprüften SDGs im Einklang stehen, insbesondere durch ihre Unterstützung gemeinschaftsbasierter Wirtschaftsaktivitäten und ihre Ausrichtung an nationalen Entwicklungsstrategien.

Podiumsdiskussion: Genossenschaften im Einsatz für die wichtigsten SDGs werden überprüft

Ein technisches Gremium präsentierte Beispiele aus der Praxis für kooperative Beiträge zu bestimmten SDGs, die im Jahr 2025 überprüft werden:

  • SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen:
    Dr. Carlos Zarco (International Health Cooperative Organisation, Spanien) veranschaulichte, wie Gesundheitskooperativen Versorgungslücken schließen, insbesondere in abgelegenen oder unterversorgten Gemeinden.
  • SDG 5 – Geschlechtergleichheit:
    Dr. Mallika Kumar (Indien) und Frau Pauline Effa (Kamerun) berichteten, wie Genossenschaften Frauen durch Führungschancen, finanzielle Eingliederung und Gemeinschaftsorganisation stärken.
  • SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum:
    Herr Esteban Kelly (US Federation of Worker Cooperatives) stellte das Modell der Arbeitergenossenschaften als bewährte Strategie zur Schaffung von Arbeitsplätzen, Einkommensgleichheit und integrativem Unternehmertum vor.
  • SDG 14 – Leben unter Wasser:
    Herr Gabriele Verginelli (Legacoop, Italien) erörterte die Rolle von Fischereigenossenschaften beim Schutz der Meeresökosysteme und der Sicherung der Lebensgrundlagen von Kleinfischern.
  • SDG 17 – Partnerschaften zur Erreichung der Ziele:
    Dr. Rose Karimi (ICA Africa) und Herr Danilo Salerno (ICA Americas) beschrieben die wachsende Zahl regionaler Partnerschaften, die die Süd-Süd-Zusammenarbeit fördern, und schlugen eine stärkere Integration von Genossenschaften in die Rahmenwerke der UN-Länder und in SDG-Finanzierungsplattformen vor.

Japans VNR 2025: Ein Modell kooperativer Integration

Japans VNR-Bericht 2025 entwickelte sich zu einem Modell für genossenschaftliches Engagement. Es enthält über 60 Verweise auf Genossenschaften, verknüpft diese systematisch mit einer Vielzahl von SDGs und liefert konkrete Beispiele für Politikintegration, Partnerschaftsaufbau und Wirkungsmonitoring. Der Ansatz demonstrierte, wie Genossenschaften durch Partnerschaften mit über 1,300 Kommunen und umfassendes Bürgerengagement in nationale und lokale SDG-Umsetzungsstrategien eingebunden sind. Der VNR hob zudem messbare Ergebnisse hervor, wie beispielsweise die Gesundheitsüberwachung durch Konsumgenossenschaften und die Mobilisierung von Genossenschaftsfinanzierungen.

Die japanische Regierung hat nicht nur das Ausmaß und die Reichweite ihrer Genossenschaftsbewegung erkannt, sondern auch gezeigt, wie dieser Sektor mobilisiert werden kann, um nationale Entwicklungsziele messbar und integrativ voranzutreiben. Japan betonte zudem sein Engagement für die Stärkung der rechtlichen Rahmenbedingungen und prüft die Verabschiedung eines Grundgesetzes zu den SDGs, um die sektorübergreifende Abstimmung zu institutionalisieren.

Beim Hochrangigen Politischen Forum (HLPF) 2025 reichten 35 Länder ihre Freiwillige nationale Überprüfung (VNR)-Berichte, und Genossenschaften wurden in 19 dieser Berichte erwähnt – ein vielversprechendes Zeichen dafür, dass ihr Beitrag zur nationalen SDG-Umsetzung zunehmend anerkannt wird. Diese Anerkennung bleibt jedoch unvollständig, da vielen VNRs noch immer detaillierte Strategien zur Unterstützung oder Skalierung genossenschaftlicher Initiativen fehlen. Vor allem sind Genossenschaften in der SDG-Planung, den Budgetprozessen und den Monitoring-Rahmenwerken unterrepräsentiert. Dies unterstreicht die Bedeutung von Lobbyarbeit, um sicherzustellen, dass Genossenschaften nicht nur sichtbar sind, sondern auch aktiv an der Gestaltung der Entwicklungsprioritäten auf allen Ebenen beteiligt sind. angesichts ihres wichtigen Beitrags zur nachhaltigen Entwicklung.

Empfehlungen und Überlegungen

Die Sitzung endete mit einer Reihe strategischer Empfehlungen zur Verbesserung des kooperativen Engagements bei der Umsetzung der SDGs:

  • Regierungen werden ermutigt, Genossenschaften formell in nationale SDG-Koordinationsmechanismen und politische Rahmenbedingungen einzubeziehen.
  • Genossenschaften werden dringend dazu angehalten, sich proaktiv mit den zuständigen Ministerien, nationalen Entwicklungsplänen und UN-Länderteams auseinanderzusetzen.
  • Geberorganisationen und das UN-System sind aufgefordert, kooperative Entwicklungsinitiativen anzuerkennen, zu unterstützen und zu finanzieren.
  • Die Teilnehmer sprachen sich gemeinsam für eine ausdrückliche Anerkennung von Genossenschaften in der politischen Erklärung des Weltsozialgipfels aus, insbesondere im Hinblick auf die Beseitigung der Armut, menschenwürdige Arbeit, Gleichstellung der Geschlechter und sozialen Schutz.

In ihrem Schlusswort betonte Michelle Lau-Burke vom International Trade Centre (ITC) die entscheidende Rolle von Genossenschaften als Wirtschaftsakteure, Dienstleister und soziale Anker in Krisenzeiten. Sie lobte ICA und COPAC für die Schaffung einer zeitgemäßen und inklusiven Dialogplattform und forderte ein stärkeres Engagement zwischen Genossenschaften und globalen Entwicklungspartnern.

Die ICA betonte, dass die Bewegung mit über drei Millionen Genossenschaften, die weltweit einer Milliarde Mitglieder dienen, über die erforderliche Größe, Erfahrung und wertebasierte Ausrichtung verfügt, um die SDGs voranzutreiben und widerstandsfähigere Gesellschaften aufzubauen.

Ausblick auf Doha

Das VNR Lab war ein wichtiger Meilenstein während des IYC2025 und unterstrich die Bedeutung von Genossenschaften im SDG-Ökosystem. Es zeigte, dass Genossenschaften nicht nur die Erreichung nationaler Entwicklungsziele unterstützen, sondern auch skalierbare, inklusive und gemeinschaftsorientierte Lösungen bieten.

Die ICA wird gemeinsam mit COPAC und den Mitgliedstaaten die offizielle Abschlussveranstaltung des Internationalen Jahres der Genossenschaften auf dem Weltsozialgipfel in Doha ausrichten. Im Rahmen dieser Veranstaltung wird ein globaler Verpflichtungsplan vorgestellt, der von der ICA und ihrer Führungsgruppe Cooperative and Mutual 50 (CM50) entwickelt wurde und den strategischen Beitrag der Genossenschaftsbewegung zu den SDGs in den entscheidenden letzten Jahren bis 2030 skizziert.

Mitgliedstaaten und Partner sind herzlich eingeladen, an dieser Veranstaltung teilzunehmen und mit der Genossenschaftsbewegung zusammenzuarbeiten, um das Versprechen einer inklusiven, nachhaltigen und am Menschen ausgerichteten Entwicklung zu verwirklichen.

Aktuelle Ankündigungen:

Helfen Sie uns, die Auswirkungen von
IJT 2025!

Wie hat Sie das Internationale Jahr der Genossenschaften bisher inspiriert oder beschäftigt? *